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Harry Potters Rückkehr ins Buch

Harry Potter und der Stein der Weisen, illustrierte Ausgabe

Wenn ein Buch wie Harry Potter und der Stein der Weisen etwa 18 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung illustriert veröffentlicht werden soll, dann muss das genau so und nicht anders aussehen: Die Zeichnungen von Jim Kay selbst sind magisch und ich gehe davon aus, dass die Fans sie lieben werden. Schon die Umschlaggestaltung ist hell, bunt und voller Atmosphäre: Harry Potter steht, vielleicht ein wenig verloren und umgeworfen von den vielen Eindrücken, am Bahngleis 9 3/4. Weit über ihm kreist seine Eule Hedwig.

Das Buch entpuppt sich als wahrer Bilderschatz, denn alle paar Seiten finden sich ein- bis zweiseitige Illustrationen, die zumeist dem Text unterlegt sind, manchmal einfach nur die Seiten ausfüllen. Zwei Beispiele: Auf den Seiten 12 und 13 sieht man die Skyline einer gewissen Kleinstadt und weit darüber saust ein Motorrad mit einem sehr großen Mann darauf durch die Wolken. Wer mag das wohl sein? Natürlich ist es Hagrid, wie wir Kenner der Geschichte ja längst wissen. Auf ganzen vier Seiten indes kann man die Winkelgasse und ihre einzelnen Läden erblicken. Man geht quasi mit Harry Potter selbst staunend an den vielen Läden vorbei. Hier wimmelt es nur so an Detailreichtum und man verliert sich leicht darin, über dieses und jenes zu schmunzeln.

Das Zeichentalent von Jim Kay steht außer Frage. Nicht umsonst verdiente er sich die "Kate Greenaway Medal", die für besonders gelungene Kinderbuchzeichnungen verliehen wird. Auf seiner Website kann man lesen, dass er mittlerweile seit 7 Jahren als Illustrator tätig ist. Besondere Beachtung fand dabei seine Arbeit für das Buch A Monster calls von Patrick Ness.

Außergewöhnlich sind die Charakterzeichnungen von Kay. Wir alle kennen die Gesichter der Protagonisten, die durch deren Schauspieler geprägt wurden. Doch Jim Kays Hauptcharaktere sehen sich nicht allein den Filmen, sondern mehr noch der Literatur verpflichtet. Das Ergebnis sind Gesichter, die eine gute Mischung zwischen dem darstellen, was J. K. Rowling in ihrem unvergleichlichen Erstlingswerk beschrieben hat und dem, was wir aus den Filmen kennen. Während dieser Potter Daniel Radcliffe noch relativ ähnlich zu sein scheint, wirken Hermine und Ron schon viel anders. Es sind nicht bloß Gesichter, die man hier anschaut; ihre Augen und ihre Mimik verraten viel über sie, geben ihnen allen eine ganz eigene Persönlichkeit. Man hat das Gefühl, echte Menschen anzusehen! Schaurig nimmt sich Professor Snape aus, der als dunkle Gestalt vor einem Schrank von Mixturen und Tränken steht, sein Antlitz alleine erhellt durch das geisterhafte Glimmen, welches aus einer Viole vor ihm zu kommen scheint, seine Augen glasig, sein Gesicht beinahe nicht von dieser Welt.

Aber es gibt so unendlich viel in diesem Bilderschatz zu entdecken! Hagrids Hütte, die Vorstellung diverser Dracheneier auf einer Extra-Seite etwa - oder zwei Seiten über Trolle, wie sie in Newt Scamanders Trollhandbuch vorgekommen sein mögen. Zu jedem Kapitel gibt es mehrere vielfarbige Bilder, und jedes Bild atmet, hat eine Seele.

Der einzige Nachteil dieses Buchs liegt darin, es nicht zu sehr gebrauchen zu wollen, damit es in guter Form bleibt. Wer diese Version liest, wird mehr denn je in Harry Potters zauberhafte Welt eingesogen werden.

Somit kehrt Harry Potter nicht nur für das gelesene Wort, sondern auch für das staunende Auge, wieder in Buchform zurück, die vielleicht für eine Zeit lang von den - durchaus gelungenen - Filmen verdrängt wurde und die doch so viel mehr Details beinhaltet als seine Film-Adaption.

Jegliche Fans von dem Jungen mit der Narbe sei dieses Buch ans Herz gelegt!

Weitere Infos zur illustrierten Ausgabe:

Verlag:
Carlsen Verlag
Foto:
© Jim Kay, Carlsen Verlag 2015
Matthias Wieprecht
Matthias Wieprecht
Matthias ist seit etwa vier Jahrzehnten großer SciFi-Fan, glücklich geschiedener Vater zweier toller Söhne. Außerdem ist er Captain des Trekdinner Hildesheim. Das Schreiben von Berichten, Reportagen, Rezensionen – also alles was die Themen im Insider hergeben, liebt er und ist seit dem FedCon Insider #12 (Dezember 2014) aktiv als Redakteur mit dabei.